Astrid Reinke – Sydney / Australien

dritter fruehling blog astrid mit lucy

Astrid und Lucy, der Pelikan

Astrid Reinke setzte sich im Kulturamt Neukoelln vor über 20 Jahren dafür ein, dass aus einem Projekt an der (damals noch) Hochschule der Künste der dritte frühling wurde. Seit 18 Jahren lebt sie in Australien. Sie arbeitet dort als Kulturpädagogin, Kulturvermittlerin, Künstlerin und Kuratorin. Während ihrer Sommeraufenthalte in Deutschland hat sie mehrmals in den vergangenen Jahren Workshops beim dritten frühling gegeben. Lebendig brachte sie uns das Welterleben der australischen UreinwohnerInnen und deren reiche Kultur und Tradition nahe, wobei sie sich auf intensive künstlerische Kontakte mit den Aboriginal-Communities stützen kann.

Astrid schrieb uns:

„Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Situation für Euch alle sehr schwierig ist, für die KünstlerInnen und die Teilnehmerinnen. Sicher haben nicht alle Internet – und selbst wenn mensch es hat, ist es ja kein Ersatz für persönliche Kontakte. Ich verfolge fast täglich in Eurer Presse wie es aussieht in Deutschland mit Covid – hart! Hoffentlich beruhigt sich die Lage perspektivisch.“

Videokonferenz

Ich habe vor, bald in die Aboriginal-Community zu fliegen – eine sehr wichtige Elder (Trägerin von Kultur und Wissen) ist gestorben, und ich will zur Beerdigung und Trauerfeier. Einige der Frauen, mit denen ich viel zu tun hatte, sind in den letzten 2 Jahren gestorben, die meisten viel zu früh.  Die Lebenserwartung bei den UreinwohnerInnen ist um viele Jahre geringer als die der anderen Bevölkerung. Aber es ist gar nicht klar, ob ich die Reise überhaupt machen kann.

Ich war zum letzten Mal Ende 2019 in der Aboriginal-Community. Seit März 2020 waren die Grenzen zwischen meinem Bundesland (New South Wales, Sydney) und dem Bundesland der Aboriginal-Community in den Northern Territories geschlossen. Das war auch ganz wichtig, damit der Virus nicht in die Communities getragen wurde.

Warnschild am Strand: höchstens 10 Personen gleichzeitig erlaubt.

Inzwischen waren die Grenzen wieder kurz geöffnet und wurden dann erneut geschlossen. Alles ist unsicher. Im westaustralischen Bundestaat gab es neulich einen neuen Corona-Fall, das hatte sofort 5 Tage strengen Lockdown zur Folge. Genauso wie in Melbourne, als es 10 Fälle gab. Über Australien verteilt sind ca 10 000 Menschen in Hotel-Quarantäne. Das sind AustralierInnen, die aus dem Ausland zurückgekommen sind. Da heraus entwischt der Virus dann immer wieder. Es heisst, dass 30 Tausend AustralierInnen im Ausland darauf warten, zurückkehren zu können.

Kängurus in Warteposition

Ich schreibe gerade Konzepte für Workshops, momentan geht es wieder – aber wer weiss, wie lange? Ganz abgesehen davon, dass die Finanzierung immer schwieriger wird, immer mehr wurde und wird im Kulturbereich gestrichen.

   

Kakadu vor Astrids Haus                                    Arbeit aus Astrids Workshop

Bald ist hier Herbstanfang. Bisher hat es im Sommer hauptsächlich geregnet – ganz im Gegensatz zu dem Sommer davor, als es überall Brände gab und wir uns in Sydney schon mal an das Tragen von Masken gewöhnen konnten (wegen des Rauches), ohne zu wissen, dass das bald zur „Normalität‘‘ gehören würde.

Sydney im Rauch, Januar 2020

Wenn alles gut geht, komme ich im Sommer nach Deutschland und freue mich auf die Arbeit mit Euch.“

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