Ulla Wyrwoll – Berlin / Kreuzberg

Ullas künstlerisches Leben ist ein Kaleidoskop – sie bringt sich über ganz verschiedene Wege zum Ausdruck: Fotografie, Theater, Tanz und Gesang. Als sie vor 30 Jahren im Alter von 43 aus dem Rheinland nach Berlin kam, lagen Jahre als Optikerin, Verwaltungsangestellte, Sozialarbeiterin und Mutter hinter ihr.

Der Schritt in die Großsstadt eröffnete ganz neue Erlebnis- und Entwicklungs-möglichkeiten. Ulla genoss hier eine Berufsausbildung zur Erzieherin, zu der ein breites Spektrum kreativer Techniken im Bereich Bildende Kunst und Theater gehörte. Mit großem Engagement arbeitete sie im neuen Tätigkeitsfeld mit verschiedenen Randgruppen, vertiefte ihre Menschenkenntnis und kreiierte mit und für die ihr anvertrauten Kinder und Erwachsenen künstlerische Aktionen. Nicht nur für sich Räume für Ausdruck zu schaffen, sondern auch für andere – das war und ist ihr wichtig.

Nach dem Ende der Berufstätigkeit intensivierte Ulla ihre künstlerische Arbeit: Sie entwicklete Fotoserien, stellte die Ergebnisse in verschiedenen Städten aus, nahm Tanzkurse, ist aktiv in Theater- und Chorprojekten und trat mit den dazugehörigen Gruppen in öffentlichen Räumen auf – 2019 agierte sie u.a. auf den Bühnen des Berliner Ensembles und des Hebbel am Ufer.

„Die Ereignisse um Corona sind eine Herauforderung für mich. Vieles, was mir wichtig ist, fiel seit Frühling 2020 von einem Tag auf den anderen weg: Das unbeschwerte Zusammensein mit anderen, die Chorproben, meine Jobs, bei denen ich mit Menschen arbeite. Die Alltagsstruktur war plötzlich nicht mehr da und hat sich bis jetzt nicht wieder so eingestellt, wie sie vorher war.

Nach dem ersten Schock erlebte ich auch die guten Seiten des erzwungenen Rückzugs: Der Lockdown brachte eine Besinnung auf mich selbst, etwas Ruhiges und Meditatives. Dennoch drängte es mich im Frühjahr 2020 sehr, etwas Künstlerisches zu machen. Ich fuhr mit dem Rad los und fotografierte die fast menschenleeren Orte.

Mit Wehmut dache ich an meine Ausstellung „Berlin, dein Gesicht hat Sommersprossen“, die ich vor einigen Jahren in Nishni Nowgorod gezeigt hatte. Die Fotos zeigen das bunte, vielfältige Leben hier in der Stadt – vor allem die Menschen, die mich so faszinieren! Wird es je wieder so werden?

Dann ging das Objektiv meiner Kamera kaputt – das war eine Katastrophe für mich! Erst im Sommer konnte ich es ersetzen. Jetzt fühle ich mich wieder etwas vollständiger. Ich brauche die Intensität und den absolut wachen Blick beim Fotografieren. Das tut mir einfach gut.

Zum Glück taten sich inzwischen neue Möglichkeiten in Richtung Fotografie auf. Ich nahm an zwei Wettbewerben teil – wenn meine Arbeit eine Aufgabe und ein Ziel hat, motiviert mich das sehr, intensiv dran zu bleiben. Ich gehörte zwar nicht zu den Gewinnern des StreetFoto-Wettbewerbs der Kommunalen Galerien, konnte aber beim Anschauen der ausgezeichneten Arbeiten viel lernen. Und es war eine tolle Atmosphäre bei der Vernissage! Die Fotos wurden abends auf den Gehweg projeziert – eine Galerie im Freien. Auf jeden Fall mache ich 2021 wieder mit.

Ullas Tip
Es ist nie zu spät! Berlin bietet so viele Möglichkeiten, man muss nur den Mut haben sie zu ergreifen! Selbst in schwierigen Zeiten wie jetzt.

Hört auf eure Intuition: Was bringt das Herz zum Schwingen? Wo spürt ihr ein inneres Kribbeln, einen lockenden Ruf? Was weckt eure Neugier? Nehmt Euch Zeit, die feinen Impulse zu fühlen und ihnen zu folgen! Laßt Euch nicht beirren!

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