Madou Godet – Paris

madou godet zeichnend

Madeleine Godet ist eine 93jährige Pariserin, die zeitlebens künstlerisch tätig war. Eine professionelle Ausbildung hatte sie nie – was ihre Kreativität aber nicht bremsen konnte.

Inspirationen aus der Natur, von anderen Künstlern und von Fotos setzt sie in ihre ganz eigene Bildsprache um. Zahlreiche Collagen, abstrakte Stickereien, Zeichnungen, Acrylbilder und Kinderbücher sind über die Jahrzehnte entstanden.
Als fünffache Mutter, zehnfache Großmutter und fünffache Urgroßmutter hat und hatte Madou immer
Menschen anderer Generationen um sich. Der Austausch mit ihnen macht ihr Freude und hält sie beweglich.

„Als im Frühling 2020 das confinement (frz. Lockdown ) kam, war ich erstmal deprimiert, ich war praktisch in meiner Wohnung allein eingeschlossen. Mir fehlten die Menschen, mit denen ich sonst aktiv bin – meine Schreibgruppe, die Philosophiegruppe und Carfour, ein Treffpunkt für Menschen meiner Generation. Ich konnte nicht mit meiner Tochter ins Museum gehen, meine Enkelin und selbst die Physiotherapeutin kamen nicht mehr. Der Park vor meinem Haus war geschlossen. Paris war in eine Starre gefallen und ich auch.

Zum Glück war ich mit meiner großen Familie über Post, Telefon und e-mail in Kontakt.
Eines Tages bekam ich eine schöne, farbige Postkarte mit einem Mandalamotiv. Es war wie ein Funke: Ich bekam plötzlichlich Lust, mit meinen Collagepapieren auch einmal so symmetrisch zu arbeiten, was sonst nicht mein Stil ist. Als die Papiere einmal ausgepackt waren, machte ich weiter.“

madou godet mit collage

„Mein Enkelsohn aus Berlin erzählte mir von einer Zeichenchallenge, die er im Internet mitmacht: 500 Hände in einer Woche skizzieren! Er schickte einige Beispiele mit und ich beschloss meine eigene Challenge: Ich zeichnete über Wochen eine Hand pro Tag.
Das war etwas ganz Neues für mich – sonst arbeite ich sehr frei und mache keine Naturstudien.
Ich war stolz, dass ich drangeblieben bin und entdecke jetzt immer mehr Handhaltungen – bei mir, aber auch bei andern Menschen.
Im Sommer konnte ich an den Atlantik reisen und wieder Luft holen. Eine Harfinistin spielte am Strand, weil die Konzerträume geschlossen waren. Ich habe ihre Hände fotografiert und im Herbst habe ich nach den Fotos gezeichnet.“

madou godet hände

„Als im Winter wieder sehr strikte Regelungen in Kraft traten, sank meine Stimmung und meine Schöpferkraft.
Ich beschloss, in die Nähe meiner Verwandten in den Westen Frankreichs zu ziehen. Schweren Herzens gab ich die Wohnung auf, in der ich über 26 Jahre gelebt hatte. All die Veränderungen kosten mich viel Kraft, aber ich bin froh, nahe Kindern, Enkeln und Urenkeln zu sein.“

Madous Tip
„Pflegt Kontakte zu jüngeren Menschen, das hält beweglich! Der Austausch zwischen den Generationen ist wichtig. Wir können einander viel geben!“

 

 

 

 

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